50. Todestag Papst Pius XII.

In wenigen Tagen – am 9. Oktober – jährt sich der Todestag Papst Pius XII. zum 50. Mal. Aus diesem Anlass wird sein Nachfolger im Petrusamt, Papst Benedikt XVI., in der Petersbasilika eine hl. Messe für ihn zelebrieren. Pius XII., mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli, wurde am 2. März 1876 in Rom geboren. 1899 empfing er die Priesterweihe und trat schon zwei Jahre später in den Dienst des vatikanischen Staatssekretariats. Im Jahr 1917 wurde Pacelli zum Nuntius Bayern und Deutschland bzw. Preußen ernannt. Die für dieses Amt notwendige Bischofsweihe wurde ihm bezeichnenderweise am 13. Mai 1917 gespendet – dem Tag der ersten Erscheinung der Muttergottes in Fatima. Dies sollte Pacellis Marienfrömmigkeit später stark prägen. Höhepunkte seines Wirkens in Deutschland waren die Konkordate mit Bayern 1925 und Preußen 1929. Zweifellos erwarb sich der Nuntius eine gründliche Kenntnis des deutschen Lebens, der deutschen Kultur und der Kirche in Deutschland, was ihm später noch nützlich sein sollte.

1930 wurde Pacelli von Papst Pius XI. als Kardinalstaatssekretär in den Vatikan zurückbeordert. In dieser Funktion bereiste er zahlreiche Länder, unter anderem die Vereinigten Staaten. Pacelli war gemeinsam mit dem Münchner Erzbischof, Michael Kardinal Faulhaber, maßgeblich an der 1937 veröffentlichten Enzyklika „Mit brennender Sorge“ beteiligt. In dieser wurden viele willkürliche Verstöße des deutschen NS-Regimes gegen das 1933 abgeschlossene, aber schon länger (also vor Hitler) vorbereitete Reichskonkordat nachgewiesen.

Nach dem Tode Pius XI. wurde Pacelli bereits im dritten Wahlgang des Konklaves zum nächsten „Stellvertreter Christi auf Erden“ gewählt: am 2. März 1939, seinem 63. Geburtstag! Er war der erste „römische“ Papst seit über 200 Jahren und gab sich den Namen „Pius“. Gleich zu Anfang setzte er alles daran, den bedrohten Weltfrieden zu erhalten, doch blieben diese Bemühungen leider erfolglos.

Entgegen mancher Darstellung – wohl hauptsächlich ausgelöst durch Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ – rettete Pius XII. im Zweiten Weltkrieg viele Menschenleben, gewährte er doch beispielsweise mehr als 5000 Juden in der Kirche verbundenen Einrichtungen in Rom Asyl. Unzählige Priester, Soldaten und Familien erfuhren Hilfe aus dem päpstlichen „Privatmagazin“ während und v. a. nach dem Krieg. Auch plante Pius XII. einen offiziellen Protest gegen die Judenverfolgung. Seine langjährige treue Haushälterin, Sr. Pascalina Lehnert, notierte in ihren Erinnerungen: „Zurückgekehrt von den Audienzen […] kam der Heilige Vater, ehe er ins Speisezimmer ging, mit zwei großen, engbeschriebenen Bogen in der Hand in die Küche, wo die einzige Möglichkeit war, am offenen Feuer etwas zu verbrennen und sagte: ‚Ich möchte diese Bogen verbrennen, es ist mein Protest gegen die grauenhafte Judenverfolgung. […] [W]enn der Brief der holländischen Bischöfe 40000 Menschenleben kostet, so würde mein Protest vielleicht 200000 kosten. Das darf und kann ich nicht verantworten. So ist es besser, in der Öffentlichkeit zu schweigen und für diese armen Menschen, wie bisher, in der Stille alles zu tun, was menschenmöglich ist.‘ […] Der Heilige Vater wartete, bis die beiden großen Bogen vollständig verbrannt waren, und verließ erst dann die Küche.“

Mit einer unübertrefflichen Energie und Zähigkeit wandte sich der Hl. Vater den vielfältigen Problemen der Kirche in der damaligen Zeit zu. Diese Absicht fand besonderen Ausdruck in den theologisch bedeutsamen Enzykliken von 1943 über die Kirche („Mystici corporis“) und über die Bibelwissenschaft („Divino afflante Spiritu“) sowie von 1947 über die Liturgie („Mediator Dei“). Ferner entwickelte Pius XII. in zahlreichen Stellungnahmen auch die Soziallehre der Kirche bedeutend weiter. Bedeutende Ereignisse während des Pontifikats waren schließlich die Dogmatisierung der Leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel am 1. November 1950 sowie die Reform der Karwoche 1954/1956. Am 9. Oktober 1958 starb Pius XII. Sein Seligsprechungsprozess scheint sich mittlerweile dem Ende zuzuneigen.

[ Martin Bürger ]

3. Oktober 2008, 12:06

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