Augustinus: Jesus dürstet nach unserem Glauben

Homilie des heiligen Augustinus zum Evangelium des 3. Fastensonntages nach der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus. Text: Übersetzung aus dem Lateinischen: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 18. März 2017 um 11:57 Uhr
Herz Jesu Statue

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 4, 5-42)

In jener Zeit 5kam Jesus zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. 6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. 7Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! 8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. 9Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern. 10Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. 11Sie sagte zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? 12Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden? 13Jesus antwortete ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; 14wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt. 15Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. 16Er sagte zu ihr: Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her! 17Die Frau antwortete: Ich habe keinen Mann. Jesus sagte zu ihr: Du hast richtig gesagt: Ich habe keinen Mann. 18Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt. 19Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss. 21Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. 23Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden. 24Gott ist Geist, und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten. 25Die Frau sagte zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, das ist: der Gesalbte – Christus. Wenn er kommt, wird er uns alles verkünden. 26Da sagte Jesus zu ihr: Ich bin es, ich, der mit dir spricht. 27Inzwischen waren seine Jünger zurückgekommen. Sie wunderten sich, dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr? 28Da ließ die Frau ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: 29Kommt her, seht, da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias? 30Da liefen sie hinaus aus dem Ort und gingen zu Jesus. 31Währenddessen drängten ihn seine Jünger: Rabbi, iss! 32Er aber sagte zu ihnen: Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt. 33Da sagten die Jünger zueinander: Hat ihm jemand etwas zu essen gebracht? 34Jesus sprach zu ihnen: Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu führen. 35Sagt ihr nicht: Noch vier Monate dauert es bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. 36Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen. 37Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer sät, und ein anderer erntet. 38Ich habe euch gesandt, zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Frucht ihrer Arbeit. 39Viele Samariter aus jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus auf das Wort der Frau hin, die bezeugt hatte: Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe. 40Als die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb dort zwei Tage. 41Und noch viel mehr Leute kamen zum Glauben an ihn aufgrund seiner eigenen Worte. 42Und zu der Frau sagten sie: Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben und nun wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.

Homilie des heiligen Augustinus

Da kam eine (samaritische) Frau. Sie ist die Gestalt der Kirche, die noch nicht gerecht gemacht ist, sondern gerecht gemacht werden muss. Denn darüber handelt das Gespräch. Sie kommt unwissend, sie findet ihn und es dreht sich um sie. Wir wollen schauen, was er sagt, und sehen, warum eine Frau aus Samaria kam, um Wasser zu schöpfen.

Samaritaner gehörten nicht zum jüdischen Volk; es waren nämlich Fremde. Es gehört zum Inhalt des Bildes, dass diese Frau, die ein Abbild der Kirche ist, aus der Fremde kam. Die Kirche sollte aus den Heiden stammen, sie sollte für das jüdische Volk eine  Fremde sein.

Also wollen wir uns also in ihr hören und in ihr uns wiedererkennen und in ihr Gott für uns danken. Sie war nämlich ein Symbol, nicht die Wahrheit. Weil sie auch das Abbild vorausschickte, ist sie auch die Wahrheit geworden. Glaubte sie doch an ihn, der uns in ihr Vorbild dargereicht hat. Sie kam also, um Wasser zu schöpfen. Sie kam einfach, um Wasser zu schöpfen, wie es Männer und Frauen üblicherweise tun.

Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten? Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.

Ihr seht die Fremden: Ihre Gefäße benutzten die Juden auf keinen Fall. Und weil die Frau ein Gefäß mit sich trug, um daraus Wasser zu schöpfen, hat sich sich gewundert, weil ein Jude sie um Wasser bat, was Juden normalerweise nicht taten. Er aber, der zu trinken wünschte, hatte Durst nach dem Glauben der Frau.

Höre sodann, wer zu trinken bittet. Jesus antwortete ihr: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Er bittet um einen Trank und er verheißt einen Trank. Er entbehrt des Wassers, wie wenn er es empfangen will, er hat Überfluss wie einer, der Durst stillen will. Denn er sagte: Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht. Die Gabe Gottes ist der Heilige Geist. Doch bisher spricht er verborgen zu der Frau, und langsam tritt er in ihr Herz. Vielleicht unterrichtet er sie schon. Was ist angenehmer und gütiger als diese Ermahnung? Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Von welchem Wasser will er also geben, wenn nicht von jenem, über das es heißt: Bei dir ist die Quelle des Lebens? Denn wie werden jene Durst leiden, die vom Überfluss deines Hauses getränkt werden.

Er verhieß mithin eine gewisse Stillung und Sättigung im Heiligen Geist. Aber die Frau verstand es noch nicht. Denn was antwortete sie, obwohl sie es nicht verstand?  Da sagte die Frau zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierher kommen muss, um Wasser zu schöpfen. Zum Schöpfen drang sie das Bedürfnis nach Wasser, doch ihre Schwäche sträubte sich vor der Last.

Würde sie doch folgende Worte hören: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seit. Ich will euch erquicken. Das sagte ihr Jesus, damit sie sich nicht mehr abmühte. Doch sie verstand es noch nicht.

Über den heiligen Augustinus (gest. 354-430)

Er ist eine der größten Gestalten der abendländischen Geistesgeschichte. Aus Thagaste in Numidien stammend, war er ab 384 als Rhetor in Mailand tätig, wo die Auseinandersetzung mit Röm 13,13f. und die Predigt des Ambrosius seine endgültige Abkehr vom Manichäismus bewirkten. 387 ließ er sich taufen. Nach der Rückkehr in seine Heimat 388 wurde er 395 zum Bischof von Hippo Regius geweiht. In seinen Streitschriften setzt er sich mit den Häresien des Donatismus und des Pelagianismus auseinander. Seine literarische Hinterlassenschaft ist sehr umfangreich; zu den bekanntesten Werken zählen die Confessiones, eine Autobiographie in Gebetform, und De civitate Dei, in dem er unter dem Eindruck der Eroberung Roms durch Alarich (410) eine Geschichtstheologie entwirft, die von dem Antagonismus zweier Gemeinwesen, dem Gottes- und dem Weltstaat, geprägt ist. Unter seinen Schriftkommentaren ragen die Auslegungen zum Johannes-Evangelium, zum ersten Johannesbrief und zu den Psalmen heraus. (Quelle: Catena Aurea)

Foto: Herz-Jesu – Bildquelle: Kathnews