Am Kreuz erhöht – für uns

4. Fastensonntag B (11.03.2018), ordentliche Form des Römischen Ritus, L1: 2 Chr 36,14-16.19-23; L2: Eph 2,4-10; Ev: Joh 3,14-21. Von Prof. Dr. Josef Spindelböck.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 10. März 2018 um 10:23 Uhr
Kreuzigung Christi

In der Homilie „sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen“ (can. 767 § 1 CIC/1983). Zum heiligen Text innerhalb der Liturgie gehören vor allem die Texte der Heiligen Schrift. Darüber hinaus auch die Gebete der Liturgie.

Homilie (Prof. Dr. Josef Spindelböck)

Mit dem 4. Fastensonntag ist das Osterfest schon in greifbare Nähe gerückt. Eben deshalb hat dieser Sonntag auch den Namen „Laetare“ – „Freue dich, Stadt Jerusalem!“ (Eröffnungsvers, Jes 66,10–11)

Wir sollen – wie es im Tagesgebet heißt – „mit froher Hingabe dem Osterfest entgegeneilen“. Woher aber kommt diese Freude, diese innere Beschwingtheit, diese Hochherzigkeit des Glaubens, der gleichsam Berge versetzt?

Die Antwort ist einfach: aus der Dankbarkeit über die rettende Tat unseres Herrn und Gottes, der Großes an uns getan hat, als er uns seinen Sohn Jesus Christus als Erlöser gesandt hat!

Unvorstellbar groß ist einerseits das Elend, in das sich die Menschen durch ihre Sünden selbst gebracht haben. Doch noch viel größer ist auf der anderen Seite der Waage das Erbarmen Gottes, der seinen einzigen Sohn nicht geschont hat, sondern ihn für uns alle dahin gegeben hat, damit wir das Leben haben in Fülle! Aus Gnade sind wir gerettet, wie es in der Lesung aus dem Epheserbrief heißt.

Die Dramatik dieses Gegensatzes von Unheil und Gnade, von Tod und Leben, von Gottesferne und Gottesfreundschaft zeigt sich in der Geschichte des Heiles immer wieder neu. Die menschliche Geschichte ist von Höhen und Tiefen gekennzeichnet; es gibt Perioden des Friedens, aber auch des Krieges und gewaltsamer Auseinandersetzungen. Das erwählte Volk Gottes war davon nicht ausgenommen. Gott hatte diesem Volk seinen Bund angeboten, doch die Menschen waren immer wieder untreu. All dies wird in der alttestamentlichen Lesung aus dem zweiten Buch der Chronik beklagt. Als Folge dieser wiederholten Untreue gegenüber Gott überließ sie dieser schließlich einem traurigen Schicksal: Das Volk der Israeliten wurde durch König Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel verschleppt. Dort mussten sie 70 Jahre lang ausharren, fern von der Heimat und fern vom Tempel Gottes zu Jerusalem. Welche Schmach und welche Erniedrigung, welche Schande und welches Elend! In den Psalmen und Gebeten rief das Volk zu Gott, er möge es befreien und erlösen. Und tatsächlich: Nach 70 Jahren kam es zur Heimkehr ins Gelobte Land, und der zerstörte Tempel wurde wieder errichtet. So konnten die Menschen Gott loben und preisen!

Die eigentliche Wende in der Geschichte der Menschheit vom Unheil zum Heil kommt aber durch Jesus Christus, den Erlöser. Eben deshalb zählen wir auch die Jahre der Geschichte vor und nach Christi Geburt. Gott selbst hat uns heimgesucht; er ist einer von uns geworden. So sind wir befreit von Sünde und Schuld; wir sind gerufen in ein neues Leben, das uns mit Gott verbindet und niemals endet. Sogar der Tod kann uns nichts anhaben, da uns die ewige Herrlichkeit bei Gott im Himmel verheißen ist!

All dies aber hat uns Gott geschenkt durch das Leiden und Sterben seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Der Sohn Gottes wurde am Kreuz erhöht – für uns! So verkündet es uns das heutige Evangelium. Die Hingabe seines Leibes und Blutes schenkt uns das ewige Leben in der Gemeinschaft mit Gott. So haben wir Anteil an Christi Tod und Auferstehung. Dieses Heilsgeschehen wird auf geheimnisvolle Weise im Sakrament des Altares vergegenwärtigt, wenn wir in der Heiligen Messe den Tod und die Auferstehung Christi verkünden und das Opfer Christi feiern.

Gott liebt uns, und diese Liebe ist unsagbar groß! Sie kann durch nichts überboten werden.

Von daher aber leuchtet uns ein Licht auf, das auch die traurigen und leidvollen Stunden des Lebens erhellt. Von Gott her gesehen sind wir nie ohne Hoffnung. Gott geht alle Wege mit uns, auch dort, wo wir die scheinbare Abwesenheit Gottes beklagen.

Nein, Gott ist uns nicht fern! Er weiß, was wir brauchen und schenkt uns täglich seine Liebe. Vertrauen wir uns ihm ganz an. Wir sind aufgerufen zur Hochherzigkeit des Glaubens und der Liebe. Wer seine Hoffnung ganz auf den Herrn setzt, wird nicht enttäuscht. Möge das Beispiel und die Fürbitte der Gottesmutter Maria sowie des hl. Josef uns stärken und ermutigen in allem Guten! Amen. (www.stjosef.at)

Foto: Kreuzigung Christi- Bildquelle: Manuel Gómez