Altphilologenkogress beginnt mit Rekordzahl

Schirmherrschaft: Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Humanismus-Preis für Prof. Dr. Andrea Riccardi. Laudator: Walter Kardinal Kasper.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 29. März 2016 um 10:34 Uhr
Berliner Dom

Von Karl Boyé:

Berlin/Bamberg/Porzheim (kathnews/DAV). Unter dem Motto “Kosmos Antike: Latein und Griechisch öffnen Welten” bietet der Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes (DAV) in Berlin vom 29 März bis 02. April 2016 einen bisher unerreichten Umfang von Einzelveranstaltungen an. Es liegen über 1000 Besucheranmeldungen vor. Der italienische Professor, Diplomat, ehemalige Minister und Gründer der Hilfsorganisation Communità di Sant’ Egidio Andrea Riccardi erhält den diesjährigen Humanismus-Preis des DAV.

Der Deutsche Altphilologenverband (DAV) rechnet für seinen am Dienstagabend beginnenden, alle zwei Jahre stattfindenden Bundeskongress mit einer Gesamtzahl von mindestens 1200 Teilnehmern. Dies ist ebenso eine Spitzenziffer wie die Zahl von bereits über 1000 Voranmeldungen und der Umfang von mehr als 120 Einzelveranstaltungen.

Der DAV verleiht im Verlauf seines Bundeskongresses den Humanismus-Preis. Er wird dieses Jahr zum 10. Mal verliehen. Der Preis geht an Persönlichkeiten, welche vorbildhaft das Zusammenwirken von geistiger Bildung und aktivem Eintreten für das Gemeinwohl verkörpern. Träger der seit 1998 bestehenden Auszeichnung sind beispielsweise Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die ehemalige Verfassungsgerichtspräsidentin Präsidentin Jutta Limbach, der Anti-Mafia-Kämpfer Leoluca Orlando, die Schriftstellerin Monika Maron oder im Jahre 2012 Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“).
Wesensmerkmale des Humanismus-Preises sind zum einen, den Diskurs über die Leitgedanken von Bildung zu beleben, und zum anderen, die Verankerung menschlichen Denkens und Handelns in seiner kulturgeschichtlichen Dimension stets aus neuen Blickwinkeln zu beleuchten.

Die Ehrung Riccardis wird am Mittwochabend von 19:00 bis 21:00 Uhr in den Räumen der Humboldt-Universität zu Berlin stattfinden. Es haben sich namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Kultur als Besucher angekündigt.

Zur Verleihung des Preisies an Sebastian Krumbiegel in Erfurt sprach Dr. Frank-Walter Steinmeier als Laudator. Der DAV-Kongress 2016 steht nunmehr unter seiner Schirmherrschaft.

Auf folgende Kongressveranstaltungen sei besonders hingewiesen:

• Kongresseröffnung am Dienstag, den 29. März um 19:00 Uhr im Audimax der Universität:
Festvortrag des Kirchenhistorikers Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Humboldt-Universität Berlin: Das antike Christentum und der gegenwärtige Religionspluralismus.
Um 21:30 Uhr Empfang
• Verleihung des Humanismus-Preises am Mittwoch, den 30. März von 19:00 bis 21:00 Uhr im Audimax der Universität an den Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Andrea Riccardi (Communità di Sant’ Egidio, Roma). Laudator: Walter Kardinal Kasper
• Schlussveranstaltung am Freitag, den 01. April um 14:00 im Audimax der Universität:
Susanne Leinemann (Berliner Morgenpost): Willkommen im Maschinenraum der europäischen Sprachen

Zum Humanismus-Preis 2016

Der Grundgedanke des seit 1998 anlässlich des Bundeskongresses des Deutschen Altphilologenverbandes verliehenen Humanismus-Preises ist das auf die Antike zurückgehende Ideal der Verknüpfung von geistiger Bildung und aktivem Eintreten für das Gemeinwohl. Die im zweijährigen Rhythmus stattfindende Verleihung des Humanismus-Preises soll immer neuen Anreiz zur Diskussion darüber bieten, welche geistigen Aufgaben der heutigen Zeit gestellt sind und wie eine zukunftsfähige Bildung gestaltet sein muss. Eine derartige Debatte kann – so unsere Überzeugung – das Bewusstsein dafür schärfen, dass in Beruf, Gesellschaft, Politik und nicht zuletzt auch im Kulturbetrieb gerade heute Verantwortungsträger gebraucht werden, die gemeinwohlorientiert denken und handeln, die diese Denk- und Handlungsweise auch dann nicht aufgeben, wenn Nachteile für die eigene Person oder Gruppe damit verbunden sind und die sich nicht nur mit dem Heute beschäftigt haben und beschäftigen, sondern ihre Fähigkeit, die Gegenwart zu beurteilen und zu gestalten, aus der Geschichte, der historischen Erfahrung und der kulturellen Tradition, der sie entstammen, entwickeln und den Wert anderer kultureller Traditionen sehen und achten. Das Bewusstsein der eigenen geistigen Wurzeln führt, wie dies Cicero in einem Brief an seinen Bruder Quintus ausführt, zur Weltoffenheit, zur Übernahme von Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und zum Respekt vor der eigenen und anderen Kulturen. Im lateinischen Begriff humanitas fließen das soziale und politische Engagement, die griechische philanthropía, mit musischer und wissenschaftlicher Bildung, der griechischen paideía, ineinander.

Zur Person des Preisträgers

Prof. Dr. Andrea Riccardi ist Gründer der inzwischen weltweit agierenden Hilfsorganisation Communità di Sant’ Egidio. Er trat international als Vermittler bei Friedensgesprächen auf, war Minister im italienischen Kabinett Monti (2011-2013) mit dem speziellen Auftrag für internationale Zusammenarbeit und Integration. Einen Arbeitsschwerpunkt bildet derzeit die Flüchtlingshilfe. Weiteres finden Sie auf unserer Homepage (www.altphilologenverband.de).

Zur Person des Laudators Walter Kardinal Kasper

Geboren am 05. März 1933 in Heidenheim/Brenz, studierte Kardinal Kasper katholische Theologie und Philosophie in Tübingen und München. Nach seiner Habilitation bei Hans Küng lehrte er als Professor für Dogmatik u.a. an den Universitäten in Münster und Tübingen. 1989 bis 1999 war Walter Kasper Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ab 1999 Sekretär bzw. ab 2001 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und Kardinal. Seit 2010 ist er im Ruhestand.

Foto: Berliner Dom (ev.) - Bildquelle: Holger Weinandt