„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12)

Gedanken zum Advent von Pfarrer Hendrick Jolie, Netzwerk Katholischer Priester.
Erstellt von Pfr. Hendrick Jolie am 10. Dezember 2011 um 14:13 Uhr
Pfarrer Hendrick Jolie

Der Heilige Maximilian Kolbe, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 70. Male jährt, deutet dieses Wort aus dem Johannesprolog im Rahmen einer Betrachtung über die unbefleckte Empfängnis. Die Gotteskindschaft bedeutet, so schreibt er: „Gott erkennen, lieben, besitzen, sich mit ihm vereinigen, umgewandelt werden in ihn, vergöttlicht werden, gleichsam Gottmensch werden.“(1)  Weihnachten ist das Fest unserer Verwandlung. „Gott wurde Mensch, damit der Mensch vergöttlicht werde“(2) , so sagt es bereits der Heilige Athanasius. Wie aber soll das gelingen, da jeder von uns doch täglich seine Schwachheit und Unfähigkeit erkennt?

Für Pater Kolbe ist die Muttergottes der Weg der Vergöttlichung des Menschen: „Gott der Vater gibt der Immaculata seinen Sohn als Sohn“, so Kolbe. Und weiter: „Nach dem Vorbild des Sohnes Gottes, des unendlichen Gott-Menschen, sollen von nun an die Kinder Gottes gestaltet werden, indem sie die Züge des Gott-Menschen nachbilden.“

Hier greift er den Gedanken auf, dass Maria die „forma dei“, die „Gussform“ ist, in der Christi durch den Heiligen Geist geformt wird: „Wie der erstgeborene Gott-Mensch nicht anders empfangen wurde als einzig mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Immaculata, so wird es auch nicht anders sein mit den anderen Menschen, die genau in allem ihr Urbild nachahmen müssen. In ihrem Schoß muss die Seele wiedergeboren werden gemäß der Form Jesu Christi. Wer aber die Immaculata nicht zur Mutter haben will, der wird auch nicht Christus als Bruder haben, noch wird Gott der Vater ihm seinen Sohn senden.“(3)

Es verwundert nicht, dass diese radikal marianische Sicht des Heiligen Maximilian Kolbe in unserem Land weitgehend unbekannt ist. Dennoch: Im Advent ist uns die Gottesmutter in besonderer Weise zur Seite gestellt. Mit ihrer Hilfe – ja mehr noch: durch sie und in ihr – lernen wir, was es heißt, wahrhaft ein Kind Gottes zu werden gemäß den Verheißungen des Johannesprologs. Sich der Immaculata überlassen, das hieße dann: Sich in ihrem Schoß nach dem Bilde Christi formen und heranbilden lassen. Das ist die Wiedergeburt aus Wasser und Heiligem Geist, von der das Johannesevangelium spricht. Diese Geburt – sie geschieht in und durch Maria.

Dass in den verbleibenden Adventstagen viele Gläubige den Mut haben, diesen Weg zu gehen: Das wünsche ich allen Lesern von Herzen!

1 Unvollendetes Buch über die Immaculata, 1940
2 Athanasius, inc. 54,3
3 Unvollendetes Buch über die Immaculata, 1940

Foto: Pfarrer Hendrick Jolie – Bildquelle: Privat